Interview Hendrik Dombek

Wie groß ist die Vorfreude auf den ersten richtigen Wettkampf in dieser Saison?

Hendrik: Die ist natürlich riesig! Wir hatten vor einer Woche unseren Nominierungswettkampf und seitdem wird die Vorfreude mit jedem Tag größer, sich endlich auch mit den anderen Nationen messen zu können.

Wie hast du die letzten Monate erlebt?

Hendrik: Es war ja im Herbst ziemlich schnell klar, als sich die Corona-Zahlen wieder verschlechtert haben, dass wir auf absehbare Zeit keine Wettkämpfe haben werden. Die Deutschen Meisterschaften sind ausgefallen und auch alle Weltcups. Das war natürlich nicht schön und auch nicht einfach zu akzeptieren. Es blieb uns aber gar nichts anderes übrig als in der Trainingsgruppe weiter hart zu arbeiten, um dann gut vorbereitet zu sein, wenn es endlich losgeht. Wir haben aber zumindest kleinere Wettkämpfe gehabt; auf nationaler Ebene. Da bist du dann zwar wieder gegen die gleichen Läufer angetreten wie im Training, aber immerhin mit Startschuss und Zeitmessung.

Wie frustrierend war diese Zeit für dich?

Hendrik: Ja klar war das frustrierend durch die Pandemie diese Einschränkungen hinnehmen zu müssen. Aber andererseits habe ich es auch so empfunden, dass ich als Profi-Sportler in einer privilegierten Situation war und bin. Immerhin durfte ich ja - im Gegensatz zu vielen anderen Sportlerinnen und Sportlern-  trainieren. Und außerdem: Training ist ja nie umsonst.

Inwiefern war das Training in dieser Phase der Saison anders als sonst?

Hendrik: Wir haben versucht das Beste draus zu machen und konnten dadurch, dass wir nicht von Wettkampf zu Wettkampf gehetzt sind, andere Schwerpunkte legen. In meinem Fall war das zum einen viel Grundlagentraining und zum anderen Technik. Ich habe das Glück, dass in meiner Trainingsgruppe mit Joel Dufter ein technisch richtig starker Läufer ist. Und auch wenn wir Einzelsportler sind: von ihm habe ich einiges lernen können.

Andere Wintersportarten wie Biathlon, Skifahren, Rodeln oder Langlauf haben regelmäßig ihre Weltcups abgehalten - wenn auch ohne Zuschauer. Ist man da als Eisschnellläufer neidisch auf die anderen Sportarten?

Hendrik: Der Unterschied ist, dass Eisschnelllauf nun mal eine Hallensportart ist. Natürlich wäre es schöner gewesen, wenn es früher Konzepte auch für den Eisschnelllauf gegeben hätte. Andere Nationen waren da aber auch sehr zurückhaltend und vorsichtig. Von daher kann ich es sehr gut nachvollziehen, dass auch unser Verband da sehr vorsichtig war und in meinen Augen auch richtig gehandelt hat.

 

Du sprichst den Verband gerade selbst an. Vor wenigen Tagen hat ein offener Brief von dir und deinen Kollegen in deiner Trainingsgruppe (Joel Dufter, Jeremias Marx, Stefan Emle) für einiges Aufsehen gesorgt. Der Anlass für diesen Brief war die Ausbootung von Sprint-Bundestrainer Danny Leger.

Hendrik: Natürlich haben wir uns nicht darüber gefreut, dass der zum Jahresende auslaufende Vertrag mit Danny nicht verlängert wurde. Ich hätte gern mit Danny weiter zusammen gearbeitet. Aber es ist natürlich das Recht des Verbandes die Trainer zu engagieren, die der Verband möchte, das ist ja klar. Was uns vor allem stört ist die Art der Kommunikation von Seiten des Verbands. Wenn man schon den Trainer wechselt, dann sollten man das wenigstens auch begründen. Erst recht, wenn das Ganze eine Woche vor dem Saisonhöhepunkt geschieht. Wir haben uns vor Weihnachten mit einer E-Mail an den Verband gewandt und gefragt, ob das Gerücht, dass Dannys Vertrag nicht verlängert wird stimmt. Wir haben nicht mal eine Antwort bekommen. Und auch die Entlassung selbst ist nicht kommuniziert worden. Am Abend hat uns Danny Bescheid gegeben, dass er nicht mehr unser Trainer ist. Ich bin am nächsten Morgen in die Halle gekommen und hatte noch nicht mal mehr einen Trainingsplan.

Was hättet ihr euch gewünscht?

Hendrik: Ein einfacher Anruf von der Sportdirektorin, indem sie uns sagt was Sache ist; warum der Verband mit Danny Leger nicht mehr weiterarbeiten möchte und wie es jetzt weitergeht. Das wäre das Mindeste gewesen. Aber nicht einmal das ist passiert. Nochmal: Dass Trainer entlassen werden oder Verträge nicht verlängert werden, ist im Sport eine ganz normale Sache. Uns geht es um die Kommunikation mit uns Sportlern.

Mal abgesehen von diesen Unstimmigkeiten im Vorfeld: Wie gut bist du in Form?

Hendrik: Mit meiner Form und den bisher gezeigten (Trainings-) Leistungen bin ich zufrieden. Ich bin fitter als letztes Jahr und laufe konstanter gute Zeiten, auch wenn die absolute Top-Zeit jetzt noch nicht dabei war. Über die 500 Meter sind die Zeiten gut, über die 1000 Meter im Vergleich zur Vorsaison sogar sehr gut; also für meine Verhältnisse (lacht).

Wie stark schätzt du die internationale Konkurrenz ein?

Hendrik: Die Läufer aus den großen Nationen machen einen sehr fitten Eindruck. Die Niederländer, Norweger und Russen haben ja zumindest schon ihre nationalen Meisterschaften absolviert und haben das zum Teil sehr gute Leistungen aufs Eis gezaubert.

Mit welchen Erwartungen gehst du am Wochenende bei der EM an den Start?

Hendrik: Also an eine Medaille zu denken wäre schon etwas vermessen (grinst). Bei der Mehrkampf-WM im vergangenen Jahr war ich auf Platz 19. Ich habe mir als Ziel gesetzt unter die Top 15 in der Gesamtwertung zu laufen. Über die 500 Meter vielleicht sogar ein bisschen weiter nach vorn. Das Eis in Heerenveen ist genauso wie ich es liebe: griffig und hart. Es ist zwar nicht ganz so schnell wie das Eis in Übersee, aber trotzdem will ich über beide Strecken meine Bestzeiten angreifen (500m: 35,01 sec. / 1000m 1:08,8 min Anm. d. Red.).

Viel Erfolg dabei und vielen Dank für das Gespräch!

 

 

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