Stillstand im Sport: Was bedeutet das für Veranstalter?

Matthias Walk

von Matthias Walk, Marketing und PR


Wir von Spoosty hatten in diesem Sommer viel vor. Wir wollten uns auf vielen Veranstaltungen präsentieren; haben Sponsoring-Verträge unterzeichnet und uns auf Messen eingebucht. Eine Messe haben wir noch mitmachen können, die motrivation days - die Triathlon-Messe im Rahmen der “Freizeit”. Das war’s aber erst mal…

Hamburg Marathon

Hamburg Marathon abgesagt

Die erste Absage kam vergangene Woche per Mail. Der Hamburg Marathon hat uns am Mittwoch mitgeteilt, dass “die Hamburger Gesundheitsbehörde per offizieller Pressemeldung angekündigt (hat), sämtliche Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern in Hamburg vorerst bis einschließlich 30. April zu untersagen. Damit wird der 35. Haspa Marathon Hamburg leider nicht, wie geplant, am 19. April 2020 stattfinden können.” Unser Trip nach Hamburg fällt im April also aus. Wir hatten dort einen Stand auf der Hamburg Marathon Expo gebucht. Aber wie geht es jetzt mit solchen Veranstaltungen weiter? In der Mail heißt es:  “Wir bedauern dies außerordentlich, bemühen uns allerdings derzeit mit Nachdruck um einen alternativen Veranstaltungstermin in 2020 und stehen dazu mit sämtlichen relevanten Stellen der Stadt im Austausch.”

Ein Alternativtermin also? Das stelle ich mir äußerst schwierig vor! Denn auf diese Idee werden viele Veranstalter kommen. Ich sehe schon Wochenenden im Sommer oder Herbst auf uns zukommen, wo sich verschiedene Veranstaltungen gegenseitig die Läufer oder Triathleten wegnehmen.

Sparkassen Triathlon Kallmünz

Beispiel: ATSV Kallmünz

Wie machen das kleinere Veranstalter? Ich hab mal nachgefragt beim ATSV Kallmünz. Der Verein veranstaltet im April normalerweise einen Frühjahrslauf und im Mai eines der ersten großen Triathlonrennen in Bayern. Den Frühjahrslauf mussten die Veranstalter schon mal absagen. Christoph Hauner vom ATSV Kallmünz schreibt mir dazu: “Wir sind natürlich sehr traurig darüber, dass der diesjährige Frühlingslauf aufgrund des Covid-19 Virus nicht stattfinden kann. Auch aber ist es für uns selbstverständlich alles in unserer Macht stehende dazu beizutragen, damit sich der Virus nicht weiter ausbreiten kann. Da wir mit einer Rekordteilnehmerzahl von ca. 1000 Läuferinnen und Läufern gerechnet haben, wäre ein Abhalten der Veranstaltung undenkbar gewesen. Auch um der Anordnung des Landratsamtes Regensburg nachzukommen, welche besagt, dass Veranstaltungen/Events mit Teilnehmerzahlen ab 500 Personen nicht stattfinden dürfen/sollen, haben wir uns zu einer Absage entschlossen. Für uns steht der gesundheitliche Faktor vor dem sportlichen!! Gesundheit geht vor!!!”

Was ist mit den Startgebühren?

Aber was bedeutet die Absage für die Sportler? Die bekommen ihre Startgebühr zurücküberwiesen. Ob das juristisch überhaupt sein muss, kann ich nicht beurteilen. Und nicht nur ich. Ich hab mal bei zwei Juristen nachgefragt. Das Ergebnis: Auch Juristen sind sich da nicht einig. Zum einen kommt es darauf an, was in den Teilnahmebedingungen steht. Wenn da zum Beispiel ein Passus drin steht, bei dem es um “höhere Gewalt” geht, dann hätten Veranstalter schon die Möglichkeit, dass sie die Startgebühren einbehalten. Der andere Jurist meinte, dass so ein Vorgehen vor dem Europäischen Gerichtshof wohl nicht Bestand haben würde. Puh! Eine schwierige Situation für die Veranstalter, wenn ihr mich fragt. Die Entscheidung der Kallmünzer finde ich jedenfalls sehr fair den Sportlern gegenüber! Respekt!

Und wie in Hamburg, so wird jetzt auch in Kallmünz überlegt die Veranstaltung zu verlegen:  

“Wir beraten innerhalb des Orga-Teams, ob der Frühlingslauf in einer anderen Form später im Jahr stattfinden kann, bzw. ob wir eine alternative Veranstaltungen ausrichten werden, welche natürlich erst dann geplant wird, wenn abzusehen ist, wann sich die Lage entspannt.”

Wie geht's weiter?

Und genau das ist jetzt der entscheidende Punkt: Wann entspannt sich die Lage? In zwei Wochen? In zwei Monaten? In einem halben Jahr? Keiner kann das zum jetzigen Zeitpunkt wirklich seriös beantworten. By the way: Es ist schon erstaunlich, wie viele selbsternannte Virusexperten über facebook ihren Senf dazugeben, oder?

Und was ist mit dem Triathlon? Christoph schreibt: “Wir hoffen sehr, dass sich das Thema Corona-Virus bis Ende April, bzw. Mitte Mai beruhigt/erledigt hat und wir unseren Sparkassen-Triathlon Kallmünz abhalten können. Sollte es bis dahin nicht erlaubt sein, Veranstaltungen mit über 500 Personen abzuhalten, werden wir uns auch hierzu unsere Gedanken machen müssen.”

Regensburg Marathon

Durchziehen oder absagen?

Diese Gedanken machen sich momentan wahrscheinlich viele, wenn nicht alle Veranstalter. Je größer die Veranstaltung, desto weitreichender die Entscheidungen. Ich hab heute mit Claudia Fritsch telefoniert, der Veranstaltungsleiterin vom LLC Marathon Regensburg. Auch hier werden momentan sämtliche Möglichkeiten durchgespielt und überlegt. Und juristischer Rat eingeholt. Eines mussten die Veranstalter schon jetzt absagen: den Einsteigerlauf. Da hätte nämlich am 30. März das erste Training stattfinden sollen. Hier überlegt der Verein das ganze in den Herbst zu verlegen. Und auch der Mini-Marathon könnte evtl. zeitlich verschoben werden. Beim Hauptlauf, dem Regensburg Marathon ist dies aber nicht möglich. Claudia Fritsch erzählt mir: “Unser Start- und Zielbereich ist auf dem Infineon-Parkplatz. Den bekommen wir aber nur an einem Brückentag zur Verfügung gestellt.” Sollte der Marathon am 24. Mai also nicht stattfinden können, dann wäre der einzige andere Termin der 15. August. Mitten in den Sommerferien also. Claudia winkt ab: “Völlig undenkbar! Da läuft keiner mit!” Sprich: Eine Verlegung kommt nicht in Frage. Bleibt die Frage: absagen oder durchziehen? Eine schwere Entscheidung, die ich nicht treffen wollen würde. Schon jetzt wurde viel Geld ausgegeben. T-Shirts und Medaillen sind schon bestellt, Werbung seit Oktober geschaltet und auch die Personalkosten sind schon investiert. Aber jetzt kommen dann die großen Ausgaben: Miete für die Zeltstadt, Bühne, Absperrgitter, Toilettenwägen und und und. Klar ist: Je früher ein Veranstalter absagt, desto geringer ist sein Verlust. Aber was ist, wenn in drei Wochen der ganze Spuk vorbei ist? Und es dann zu spät ist noch eine Veranstaltung durchzuführen? Dann sind die Einnahmen futsch.

Wie mit Absagen umgehen?

Viele Veranstaltungen, die von Vereinen organisiert werden, sind auf diese Einnahmen angewiesen. Von daher verstehe ich jeden Veranstalter, der sich die Möglichkeit sein Rennen doch noch durchzuführen so lange wie möglich offen lässt.

Ich möchte momentan nicht in der Haut der Veranstalter stecken. Und ich denke die ganze Zeit darüber nach, was ich als Athlet tun kann oder wie ich mich verhalten soll. Eine Möglichkeit wäre, wenn eine Veranstaltung abgesagt wird, auf die Zurückzahlung des Startgelds zu verzichten. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Zurück