Rennabsage! Und was ist mit den Startgebühren?

Matthias Walk

von Matthias Walk

“Die Woche geht ja gut los!” Das war mein erster Gedanke, als ich heute Morgen meinen Rechner im Home-Office hochgefahren habe. In der Nacht von Sonntag auf Montag kam die Absage des Memmert Rothsee-Triathlons und heute morgen um 10 Uhr dann die Absage des Triathlon Ingolstadt. Klar, irgendwie hatte ich damit gerechnet, aber als ich es dann schwarz auf weiß hatte, war das Gefühl dann doch ein bisschen doof. Den meisten von euch geht’s wahrscheinlich ganz genauso.

 

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Interessant fand ich, wie beide Veranstalter mit der jeweiligen Rennabsage umgehen. Die Macher des Ingolstadt Triathlons teilen mir mit, dass ich zwar meine Tageslizenz vollständig zurückerstattet bekomme, mein Startgeld dagegen nur zur Hälfte. Dafür schicken sie mir ein Radtrikot und eine Medaille zu. Ganz unten in der Mail heißt es dann noch, dass sich sich freuen würden, wenn ich auf die Rückzahlung der Startgebühr “solidarisch” verzichten würde.

Die Veranstalter des Memmert Rothsee Triathlons stellen mich vor die Wahl. Ich darf mir eine von drei Varianten aussuchen. Entweder ich bekomme meine volle Startgebühr zurück (abzüglich 10 Euro Bearbeitungsgebühr), oder ich übertrage meine Startgebühr auf nächstes Jahr oder ich spende meine Startgebühr dem ausrichtenden Verein, der TSG 08 Roth.

Eines vornweg: Ich möchte nicht in der Haut der Veranstalter stecken. Für sie gilt das gleiche, wie für alle momentan in dieser Krise: Es gibt keine Blaupause für diese Situation. Also sind kreative Lösungen gefragt. Und wie soll ich als Athlet damit umgehen? Bin ich ein schlechter Mensch, wenn ich mein Geld zurückfordere, für eine Leistung, die nie erbracht wurde? Sollte ich Verständnis zeigen und die Veranstalter unterstützen, indem ich auf mein Geld verzichte? Schwierige Fragen. Also frage ich erst mal unsere Follower mit einem Video auf instgram und facebook. Wie verhaltet ihr euch?

linuskube schreibt mir: “Es kommt auf die Höhe an. Die großen Veranstalter können eher damit leben das Geld zurückzuzahlen als die Kleinen. Diese sollte man auch weiter unterstützen.” Klingt logisch. ullush kommentiert: “Eventagentur mit Festanstellungen? Oder Verein mit freiwilligen Helfern? Während die ersteren dicht machen müssen, setzen letztere mal aus und machen im nächsten Jahr weiter. z.B. unser RSC Kelheim beim race24 heuer. Ist zwar schade, aber keine Existenz ist bedroht.” Alles halb so wild für die Kleinen also? thewayiam108 spricht mir eigentlich aus der Seele: “Wenn ich die Möglichkeit hätte aufs nächste Jahr zu verschieben würde ich es schon tun. Vor allem bei den kleinen Veranstaltungen. Feingefühl ist das, was jetzt jeder braucht.”

Matthias Walk

Irgendwie haben sie alle recht. Und ich kann auch jeden Veranstalter verstehen. Aber was soll ich jetzt machen? Ich finde die Idee der Rothsee-Macher mit der Übertragung auf’s nächste Jahr ziemlich gut. Das hat für die Veranstalter den Vorteil, dass sie erstmal ihr Geld behalten können und ihre Rechnungen, die bis jetzt schon aufgelaufen sind (z.B. für Startgeschenke, Medaillen u.Ä.) bezahlen können. Und ich habe mein Geld nicht umsonst ausgegeben, sondern bekomme die Leistung nur ein Jahr später.

Wie es rechtlich mit der Rückzahlung von Startgeldern aussieht, darüber streiten sich die Juristen. Darüber habe ich vor kurzem ja schon mal was in unserem Blog geschrieben. Frei nach dem Motto: Zwei Juristen, drei Meinungen. Aber das soll hier nicht das Thema sein.

Ich kann Triathleten verstehen, die ihr Startgeld zurück haben wollen. Manche haben sich für sieben, acht oder mehr Rennen angemeldet. Da kommt ganz schön was zusammen. Andererseits weiß ich aus eigener Erfahrung wie abhängig gerade kleinere Vereine von der Durchführung einer einzelnen Veranstaltung sind. Damit wird oft die komplette Vereinsarbeit für ein Jahr finanziert.

Einen Königsweg wird es nicht geben. Da sind wir wieder bei der Sache mit dem Feingefühl. Ich finde es sehr lobenswert, dass sich die Veranstalter Gedanken machen und es in den meisten Fällen in die Hände der Athleten legen, wie sie mit dem Thema umgehen. Wenn wir Triathleten jetzt alle unsere Startgebühren zurückverlangen würden, dann würde das das Ende für viele Veranstalter und Verein bedeuten. Oder zumindest ziemlich herbe Verluste. Andererseits können Vereine auch nicht erwarten, dass alle Teilnehmer auf ihr Geld verzichten und dafür nichts bekommen. Das wäre auch unfair. Von daher gefallen mir diese Mittelwegs-Lösungen. Die finde ich charmant und mit denen können beide Seiten wohl auch leben. Also werde ich meinen Start in Roth einfach um ein Jahr verschieben und auf die Hälfte meiner Startgebühren in Ingolstadt verzichten.

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