Mein langer Weg zum Triathlon - Teil 1

Roman Deisenhofer

von Matthias Walk, PR und Öffentlichkeitsarbeit bei Spoosty


Wie hast du das geschafft? Wie konntest du 25kg abnehmen? Diese Fragen wurden mir in den letzten Jahren ziemlich oft gestellt. Kein Wunder. Ich hab mich ja auch ganz schön verändert. Zumindest äußerlich. Wenn ich mir heute Bilder von mir von früher anschaue, dann kann ich es selbst oft gar nicht glauben. Eine Antwort auf die Fragen, wie ich es geschafft habe, ist nicht ganz einfach. Ich versuche es der Reihe nach.

Matthias Walk

Sportliche Jugend

Mit fünf habe ich mit Fußball angefangen. Mit sechs stand ich zum ersten Mal auf Ski. Kein Wunder: bin ich doch im Allgäu geboren und aufgewachsen. Als ich neun war hat Boris Becker zum ersten Mal Wimbledon gewonnen. Also habe ich auch noch mit Tennis angefangen. Wie so viele andere in meinem Alter. Als ich dann mit zehn aufs Gymnasium ging, habe ich dazu noch Eishockey in der Schulmannschaft gespielt. Und dann noch Basketball im differenzierten Sportunterricht. Fußball, Skifahren, Tennis, Eishockey, Basketball: Einen Tag ohne Sport gab’s bei mir eigentlich nicht als ich jung war. Da war es logisch, dass ich in der Kollegstufe im Leistungskurs Sport gelandet bin. Schwimmen, Geräteturnen, Leichtathletik und Volleyball hießen unsere Sportarten, in denen ich Abitur gemacht habe.

Studium in Regensburg

Als ich nach dem Zivildienst nach Regensburg zum Studieren gegangen bin war’s auf einmal vorbei mit dem Sport. Da waren andere Dinge plötzlich wichtiger. Klar bin ich noch ab und zu Laufen gegangen, hab an der Uni Basketball oder mit einem Freund am Sportzentrum Tennis gespielt. Aber alles nur noch sporadisch. Außerdem hab ich mit 21 dann auch noch zu Rauchen angefangen. Ziemlich blöd in dem Alter? Stimmt! Aber war halt so.

Matthias Walk

Sport - nur noch als Beruf

Nach dem Studium habe ich lange Zeit als Sport-Redakteur und Moderator bei einem Fernsehsender gearbeitet. Und spätestens mit dem Beginn des Berufslebens war es vorbei mit dem Sporttreiben. Auf gutes Essen und mein Feierabend-Bier wollte ich aber nicht verzichten. Und so nahm ich Stück für Stück zu. Mit dem Rauchen wieder aufzuhören war zwar eine gute Entscheidung, hat aber leider auch dazu geführt, dass ich noch ein paar Kilo draufgepackt hab.

Aus Solidarität mit zugenommen

Als meine Frau zum ersten Mal schwanger war habe ich wohl aus purer Solidarität mit zugenommen. Nachdem unsere Tochter dann auf der Welt war hat aber leider nur meine Frau wieder abgenommen. Bei mir blieb die Waage seitdem leider konstant jenseits der 105kg stehen. Ich hab dann zwar versucht wieder ein bisschen Sport zu machen. Mehr als einmal in der Woche bei der AH mitzukicken war aber nicht drin. Und wenn du nach 90 Minuten Standfußball als Belohnung zwei Bier trinkst, dann ist der Trainingseffekt auch überschaubar…

Mein Arzt meinte zwar immer mal wieder ich sollte ein paar Kilo abnehmen, auch weil meine Harnsäure-Werte ziemlich hoch waren. Aber ich konnte mich nie aufraffen. Bis, tja bis zu jenem Tag, der mein Leben von Grund auf verändert hat.

Matthias Walk, Familie

Schmerzhaftes Erwachen

Der 29. Mai 2016 war ein schöner Tag. Meine Tochter hat an diesem Sonntag ihre Kommunion gefeiert und wir hatten das ganze Haus voller Gäste. Das Wetter hat mitgespielt und wir konnten ein tolle Gartenparty feiern. Als alle Gäste nach Hause gegangen waren und meine Frau und ich aufgeräumt hatten, fiel ich glücklich und erschöpft am Abend ins Bett.

Um halb vier in der Nacht bin ich vor Schmerzen aufgewacht. Das Gelenk an meinem linken großen Zeh hat wie Feuer gebrannt. Ich hatte keine Ahnung was das war. Aber es tat so weh, dass ich mit dem Fuß nicht mal auftreten konnte. Was war das nur? Meine Frau hat mir erstmal Schmerztabletten gegeben. Viel geholfen hat das aber nicht.

Diagnose Gichtanfall

Als ich ein paar Stunden später beim Arzt saß, hat er mir gesagt, dass ich einen Gichtanfall hatte. Das bedeutet, dass sich Harnsäure-Kristalle in Gelenken ablagern und diese Kristalle sind so scharfkantig, dass sie in den Gelenken, die nicht so stark durchblutet werden, extreme Schmerzen verursachen. In den allermeisten Fällen ist das eben das Gelenk am großen Zehen. So wie bei mir. Mein Arzt hat mir zunächst ein Medikament verschrieben, das den Harnsäurewert im Körper senkt. Und dann?

Und dann, meinte mein Arzt, sollte ich meine Ernährung umstellen und im besten Fall zehn Kilo abnehmen. Ich solle einfach mehr Sport machen. Prinzipiell mehr Kalorien verbrennen als man zu sich nimmt. So einfach sei das, meinte mein Arzt.

Bestandsaufnahme

Also mal kurz zusammengefasst: Kein Alkohol und kein Fleisch mehr. Dafür viermal die Woche Sport? So soll also mein Leben in Zukunft aussehen? Na prima! Herzlichen Dank! Tja, meinte mein Arzt, die Alternative wäre eben, dass ich entweder mein Leben lang irgendwelche Medikamente schlucken muss oder spätestens im Alter Gicht bekomme. Ganz ehrlich: Das klang noch beängstigender als die erste Variante mit Sport und neuer Ernährung. Ich hab damals eines gelernt: Angst ist ein hervorragender Motivator.

Matthias Walk

Vier Monate Hardcore

Die nächsten vier Monate waren der Hammer. Mein Fleischkonsum wurde von siebenmal die Woche auf einmal die Woche reduziert. Alkohol hab es gar keinen mehr. Und ich hab mir Laufschuhe gekauft. Ich wohne zum Glück am Stadtrand und wenn ich aus der Haustür raus bin, bin ich in 900 Metern im Wald. Also habe ich angefangen zu Laufen. Wenn man das so nennen will. Was hab ich am Anfang geschnauft und mich gequält. Wie eine Schnecke bin ich mir vorgekommen. Und so langsam war ich anfangs auch. Ich hatte mir ein Ziel gesetzt: Ende September wollte ich mit Arbeitskollegen beim Landkreis-Lauf mitlaufen. Dabei absolvieren zehn Läufer in einer Art Staffellauf eine Strecke quer durch den Landkreis Regensburg. Meine Etappe war 5,6km lang. Die wollte ich schaffen. Nach etwa sechs Wochen, in denen ich mich mindestens viermal pro Woche zum Laufen gezwungen habe, ist etwas ganz Erstaunliches passiert. Ich hab eine regelrechte Bewegungssucht entwickelt. Wenn ich mal länger als zwei Tage nicht Laufen konnte, wurde ich richtig unruhig und unzufrieden. Als wir im August nach Portugal in den Urlaub geflogen sind, habe ich meine Laufschuhe mitgenommen und bin in Lissabon in der Hitze irgendwelche Straßen entlang gelaufen.

Erste Erfolge

Das Ergebnis nach vier Monaten konnte sich sehen lassen. Ich hatte auf Alkohol, Fleisch und Süßigkeiten weitestgehend verzichtet und war regelmäßig Laufen. Und so hatte ich in vier Monaten schon 18 Kilo abgenommen. Von 107kg auf 89kg runter. Und meine Etappe beim Landkreislauf hatte ich auch geschafft.

Mehr zu meinem langen Weg zum Triathlon gibt’s in der nächsten Folge!

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