Jetzt draußen schwimmen? Zu kalt oder nicht?

Matthias Walk

von Matthias Walk

Seit Wochen sind sämtliche Schwimmbäder geschlossen. Und wer nicht gerade Jan Frodeno heißt und über einen eigenen Pool verfügt, der sitzt momentan ziemlich auf dem Trockenen - im wahrsten Sinn des Wortes. Der Absatz von Zugseilen dürfte daher in den vergangenen Wochen ziemlich nach oben gegangen sein.

Verfolgt man Triathleten auf instagram oder facebook, dann sind vergangene Woche die ersten Bilder von ganz harten Jungs und Mädchen aufgetaucht, die sich in Badeseen gewagt haben. Dazu erstmal: Respekt! Aber ist das wirklich gesund und bringt das überhaupt was?

Marchelo Kunzelmann

Fangen wir mal mit etwas ganz Allgemeinem an: Was ist eigentlich die perfekte Schwimmtemperatur? Eigentlich wären 4 Grad am besten. Zumindest hätte Wasser bei 4 Grad die günstigste Dichte für den Abdruck. Kommt wohl aber eher nicht in Frage...

Die FINA, der Welt-Schwimmverband hat eine Wettkampftemperatur von 26 Grad, plus minus 1 Grad, festgelegt. Darauf müssen wir allerdings noch ein ganze Weile warten. Aber eigentlich wäre das die ideale Wassertemperatur zum Schwimmen.

Liegt die Temperatur drunter, zum Beispiel im Bereich zwischen 20 und 23 Grad, passiert folgendes: Schwimmt man bei diesen Temperaturen eine Stunde, dann sinkt die Körpertemperatur bereits um 1 Grad ab.

Werfen wir einen Blick ins Regelwerk der Triathleten. Die meisten von uns (Altersklassenathleten) kennen wahrscheinlich die beiden magischen Zahlen 21,9 und 24,5. Bei einer Schwimmdistanz bis 1500m (Sprint- und Kurzdistanz) ist der Neopren-Anzug über 21,9 Grad verboten. Über 1500m (Mittel- und Landdistanz) liegt die Grenze bei 24,5 Grad.

Und genauso, wie es Regeln nach oben gibt, gibt es auch Regeln nach unten. Hier sieht die Wettkampfordnung folgendes vor:

Unter 16 Grad Wassertemperatur besteht lt. ITU-Reglement Neo-Pflicht! Bei solch niedrigen Temperaturen gibt es dann noch einmal folgende Abstufung:

Bei 14,9 - 14 Grad darf maximal 3000m geschwommen werden, bei 13,9 - 13 Grad maximal 1500m und bei 12,9 - 12 Grad maximal 750m. Unter  12 ºC Wassertemperatur ist kein Schwimmen erlaubt. Ich finde, darauf könnten wir uns einigen, oder? Unter 12 Grad geht gar nicht!

Marchelo Kunzelmann

Marchelo Kunzelmann gehört zu den oben beschriebenen ganz Mutigen, die sich diese Woche schon ins Freiwasser gewagt haben. 12,5 Grad hatte der See als Marchelo ins Wasser ging: “Das war echt brutal hart. Das war so kalt, da hab ich aufs Einschwimmen verzichtet und habe einfach 30 Minuten durchgeballert! Anders wäre das nicht auszuhalten gewesen. Meine Hände und Füße waren danach echt extrem kalt. Neopren-Socken oder -Handschuhe hatte ich leider keine.” Die wären bei solchen Temperaturen schon nicht schlecht. Für 29 Euro gibt’s zum Beispiel bei Sailfish Neopren-Socken, für 39 Euro entsprechende Handschuhe. Und wer für den Kopf mehr Schutz möchte als eine normale Silikon-Badekappe, dem sei eine Neopren-Kappe für 35 Euro ans Herz gelegt.

Ich kann jeden verstehen, der aus Ermangelung an Alternativen, momentan den Sprung ins eiskalte Wasser wagt. Aber eines muss man wissen: Ganz ungefährlich ist das nicht. Wer noch nie bei solchen Temperaturen geschwommen ist, der sollte vorsichtig sein. Solch niedrige Temperaturen sind extrem belastend für das Herz-Kreislauf-System. Der Kältereiz führt zu einer Erhöhung des Blutdrucks und damit einhergehend zu einem Absinken der Herzfrequenz. Wer also Probleme in diesen Bereichen hat: Bitte wartet auf wärmere Temperaturen!

Darüber, dass die Muskeln - auch geschützt unter einem Neo - extrem schnell auskühlen brauchen wir nicht reden.

Allgemein wäre es ratsam zumindest nicht allein schwimmen zu gehen oder für den Fall der Fälle eine dieser aufblasbaren Schwimmbojen mitzunehmen.

Ich hab mich dazu entschieden noch zwei, drei Wochen zu warten. Der Sommer ist schließlich noch lang und Wettkämpfe eh nicht in Sicht. Also ist meiner Ansicht nach momentan in unserem Sport das gleiche gefragt, wie bei allen in dieser außergewöhnlichen Situation: Geduld.

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