Eine Woche Home-Office: eine Bilanz

Matthias Walk

Seit einer Woche beginnt unser Arbeitstag jeden Morgen um 9h mit einer Videokonferenz. Am Anfang war das ziemlich ungewohnt, aber ziemlich schnell gewöhnt man sich an das neue Format. OK, ein bisschen Disziplin braucht man schon. Sobald zwei Leute gleichzeitig reden versteht man nämlich überhaupt nichts.

Lustig ist vor allem, was so nebenbei passiert. Auf Judiths Schoß taucht öfter mal ihr Sohn Konstantin auf. Hinter mir huscht ab und an meine Frau durchs Bild. Oder bei Julia streckt die Katze ihre Nase neugierig ins Bild oder ihr Hund hechelt vorbei. Die Stimmung ist bei diesen Videokonferenzen aber immer gut. Einen Running-Gag haben wir inzwischen auch schon: “Alle aufstehen, damit jeder sehen kann, dass jeder eine Hose trägt…”

 

Spaß beiseite! Uns kommt aktuell entgegen, dass alle unsere Arbeitsbereiche voll digitalisiert sind. Jeder hat ein Laptop und über die Cloud Zugang zu allen Bereichen. Prinzipiell ist es also egal, ob wir im Büro oder zu Hause am Schreibtisch sitzen. Trotzdem: Für uns alle ist diese Erfahrung schon ganz speziell.

Julia Hönig

Julia

Als es am 15.03. hieß, ab sofort arbeitet jeder Mitarbeiter im Homeoffice, habe ich mir keine großen Gedanken darüber gemacht. Ich arbeite meist einmal pro Woche von zuhause aus. Also keine große Umstellung für mich, dachte ich zumindest... Mein täglicher Ablauf hat sich teilweise komplett geändert. Außer meine morgendliche Routine. Die blieb dank meiner Pferde wie gewohnt bestehen. Aber sonst ist nichts wie es war.

Ich freue mich jeden Morgen auf unsere Videokonferenz. Es tut gut seine Kollegen (wenn auch nur über den Bildschirm) sehen zu können. So weiß man, ihnen geht es gut. Wir sind ein bunter, kreativer, netter Haufen. Das merkt man auch in unseren Konferenzen. Wir haben unsere Herzlichkeit, unseren Mut und unseren Humor trotz der aktuellen Situation nicht verloren. Was mich am meisten freut, ist unser Zusammenhalt. Wir gehen als Team diesen Weg. Natürlich betrifft auch uns Corona. Wir lassen uns aber nicht unterkriegen! No way!

Hund

Und vielleicht hat das Ganze ja auch was Positives. Zeiten wie diese lassen die Menschen einmal innehalten. Manche werden sich fragen was wirklich wichtig ist in ihrem Leben. Egal ob Familie, Partner oder Tier. Man stellt sich die Frage, ob man denn die Zeit zusammen wirklich effektiv nutzt und genießt. Wir leben in der Zeit der Schnelllebigkeit. Jeder ist im Stress und keiner hat mehr Zeit. Es geht schon los, wenn man sich mit der Familie oder den Freunden treffen will. Es scheitert meist schon daran einen Termin zu finden, der jedem passt. Wir laufen meist mit Scheuklappen durch die Welt und merken gar nicht so richtig, was um uns passiert. Erst wenn etwas Schlimmes passiert nehmen wir diese ab und nehmen unsere Umwelt bewusster wahr. Es ist als hätte jemand auf Standby gedrückt.

Home-Office

Paetrick

Wer mich kennt, der weiß, dass ich jemand bin, der gern aktiv ist, Dinge anschiebt und viel unterwegs ist. Von daher hat mich diese Situation ganz schön ausgebremst. Als ich unsere Mitarbeiter am Freitag vor einer Woche nach Hause ins Home-Office geschickt habe ist mir das nicht leicht gefallen. Aber die Gesundheit meiner Mitarbeiter hat oberste Priorität. Zum Glück haben wir in der Firma von Anfang an voll auf die Digitalisierung gesetzt; das kommt uns jetzt zugute.

Auch ich bin jetzt seit einer Woche viel zu Haus. Viermal musste ich aber doch kurz ins Büro. Zweimal musste ich dringende Dokumente unterschreiben und zweimal habe ich nach der Post gesehen. Zu Hause geht’s bei uns ganz schön rund. Das liegt natürlich vor allem an unseren neuesten Familienmitglied. Anfang Dezember hat Louis ein Brüderchen bekommen und Tim hält uns ganz schön auf Trapp. Aber meine Frau hält den Laden echt gut zusammen.

Für unsere Firma ist die Zeit gerade nicht leicht. Als junges Unternehmen hast du natürlich nicht jede Menge Rücklagen. Aber ich war schon immer der Meinung, dass es keine Probleme, sondern nur Herausforderungen gibt. Und so wollen wir diese Zeit als Chance begreifen. Und ich bin mir sicher, dass wir das gemeinsam meistern werden.

Home-Office

Judith

Während andere sich Sorgen um ihren Vorrat an Hygieneartikel und lang haltende Lebensmittel machen, plagt mich nur ein Gedanke: 24 Stunden am Tag mit meinem, natürlich glücklicherweise, aktiven und von vor Energie strotzendem Kind in unserer 80 qm großen Wohnung eingesperrt!! Hallelujah! Erschwerend kommt noch hinzu, dass mein Kleiner und ich von Haus aus keine Stubenhocker sind. Denn ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich kein kreativer Mensch bin. Basteln, malen… kann ich nicht bzw. kann nicht viel damit anfangen. Das habe ich leider weitervererbt.

Wie sieht mein Tag jetzt aus? Mein Wecker klingelt um 5:45 Uhr. In den meisten Fällen werde ich aber bereits vorher durch meinen Nachwuchs aus dem Schlaf gerissen. Bisher kein großer Unterschied zwischen Homeoffice und einem normalen Arbeitstag. Und anfangs überwiegen durchaus die Vorteile von Homeoffice. Ich muss z.B. keine Brotzeit für den Kindergarten herrichten und auch der Weg in die Arbeit ist kurz.

Kind, Wäsche

Aber kaum hat man es sich in seinem Homeoffice bequem gemacht geht es auch schon los mit den Nachteilen. Die Definition von “leise und alleine sich beschäftigen” geht bei Mutter und Kind doch sehr weit auseinander. So ist der Vormittag meistens ein echter Kampf um jede freie Minute, in der ich konzentriert arbeiten kann.

Das Gute bei einem gelangweiltem Kind zu Hause? Es hilft freiwillig bei der Hausarbeit mit! Gestern habe ich meinen Schatz dabei gefilmt, wie er die frisch gewaschene Wäsche zum Trocknen aufgehängt hat. Ohne dass ich irgendetwas sagen musste.

Wenn es dann abends ins Bett geht, er sich von alleine die Zähne putzt, sich den Schlafanzug anzieht und sich in seinem Bett an mich kuschelt während ich ihm vorlese, uns dann noch “Gute Nacht, schlaf gut, träum was schönes. Hab dich lieb” zuflüstern und ich mich kurze Zeit später vergewissere, ob er schon schläft und ich ihn friedlich schlafend im Bett vorfinde, denke ich mir nur “Auf die nächsten 24 Stunden! Hoffentlich ist die Krise bald vorbei”

Matthias Walk

Matthias

Ähnlich wie Julia kenne ich das Thema Home-Office schon seit ein paar Monaten. Zwei Tage pro Woche arbeite ich - dank Digitalisierung - normalerweise zu Hause. Der einzige Unterschied: Bisher war ich die meiste Zeit dabei allein. Zumindest bis um 14h, wenn meine Frau und unsere beiden Kinder aus der Schule kommen.

Meine Frau, die als Lehrerin jetzt auch von zu Hause arbeitet, und ich haben von Anfang versucht unserem Leben zu Hause einen Rhythmus zu geben. Wir stehen jeden Morgen zur gleichen Zeit auf, Frühstücken gemeinsam und dann setzen sich alle - spätestens um 9h - an den Schreibtisch. Wobei ich das große Los gezogen habe. Ich hab den Schreibtisch bei uns im Schlafzimmer im Erdgeschoß bekommen. Meine Frau nur einen provisorischen Campingtisch bei unserem Sohn Jonas im Zimmer. So lang der sich um sein Arbeitspensum kümmert kommt meine Frau nicht wirklich zum arbeiten. Erst wenn er und auch unsere Tochter Verena am frühen Nachmittag mit ihren Aufgaben fertig sind, kann sie sich voll und ganz auf ihre Arbeit konzentrieren.

Heute ist der elfte Tag an dem ich das Haus so gut wie nicht verlassen habe; außer mal um eine Runde im Wald zu laufen oder Rad zu fahren. Es ist schön die Familie die ganze Zeit um sich zu haben. Und noch einen Vorteil hat das Ganze: Man kommt in dieser Zeit zu Dingen, die man sonst immer nur vor sich her schiebt in der ganzen Hektik. Es ist ja nicht so, dass wir momentan weniger als sonst arbeiten, aber wir kümmern uns momentan um viele grundsätzliche Dinge, wie Strategien und langfristige Ziele. Vielleicht schauen wir ja mal auf die Zeit zurück und sagen uns: Das war gar nicht so schlecht.

Anna-Lena

Hallo zusammen! Ich melde mich aus der “Risiko-Gemeinde Pemfling” und erzähl euch in den nächsten Zeilen, wie mein Alltag hier so aussieht. Erst einmal empfinde ich persönlich nicht, in einer Risiko-Gemeinde zu wohnen. Ich denke, dass wir alle die gleiche Vorsicht genießen sollen und die Zahl an Quarantäne-Familien bald überall zunehmen wird. Dieser Virus wird uns kurz oder lang von den verschiedensten Personengruppen aus den unterschiedlichsten Gründen begegnen.  

Wie empfohlen vermeide ich unnötige soziale Kontakte und seit letzter Woche leider auch den zu meinen Eltern und Großeltern. Auch wenn ich keine Verbindung zu der Reisegruppe nach Tirol aus Pemfling hatte, bin ich davon überzeugt, dass wir so unser Umfeld effektiv schützen können und dies auch unbedingt tun sollten. Denkt daran: Auch ohne Symptome ist es möglich, infiziert zu sein und den Virus an Risikogruppen weiterzugeben. Langweilig ist mir jedoch noch ganz und gar nicht! Eigentlich finde ich in diesen Tagen endlich die Zeit, viele Dinge zu erledigen. Und es stehen noch einige auf dem Plan! Ich habe mir zum Beispiel schon letzten Sommer Unmengen von Dingen für die eigene Schmuckherstellung besorgt und habe bis jetzt nicht die Zeit gefunden, mich intensiv damit zu beschäftigen. Ratet mal, wer am Wochenende sein erstes Armband geknüpft hat?  

Darüber hinaus bin ich sehr froh, die Arbeit bei Spoosty fast wie gewohnt weiterführen zu können. Die Möglichkeit zum Home-Office schätze ich sehr und bin in diesen Zeiten erleichtert, dass unser Alltag hier fortgeführt wird. Über einen Aspekt bin ich sehr traurig: Das einhergehende Reiseverbot, welches natürlich absolut gerechtfertigt eingeführt wurde, hatte ganz schön Auswirkungen auf meine Urlaubsplanung! Ein Skiurlaub nach Tirol und eine Reise nach Venedig sind schon ins Wasser gefallen. Weiter kann meine große Schwester, die in den USA lebt, nicht wie geplant für drei Monate nach Deutschland kommen. Ich hatte ich mich schon so gefreut, sie öfter sehen zu können, das Wochenende zusammen zu verbringen, all die schönen Sachen – aber natürlich kommt genau für dieses Quartal eine Epidemie! ;) Auch eine Freundin, welche in diesen Monaten ihr letztes Auslandssemester in Alicante verbracht hätte, besuche ich wohl eher nicht.  

Aber das sind alles Luxusprobleme – Im Moment bin ich erstmal froh, dass alle meine Lieben gesund und munter sind, und hoffe, dass sie es auch bleiben!  

 

Zurück