Drama mit Happy End für Hendrik Dombek

Hendrik Dombek - spoosty Eisschnellläufer

von spoosty-Eisschnellläufer Hendrik Dombek

Ich hatte einen großen Traum. Einen Traum, den wahrscheinlich jeder Sportler träumt. Den Traum, sich mit den Besten der Welt zu messen. Bei einer Weltmeisterschaft. In meinem Fall: bei der Eisschnelllauf-WM der Sprinter über die Einzelstrecken in diesem Jahr in Salt Lake City. Im Bruchteil einer Sekunde war dieser Traum für mich am vergangenen Wochenende eigentlich schon geplatzt. Eine kleine Unaufmerksamkeit und alles war scheinbar vorbei. Und dann kam doch alles ganz anders und ich konnte mir meinen Traum doch noch erfüllen. Aber der Reihe nach:

Auf nach Nordamerika

Vor vier Wochen bin ich nach Salt Lake City im US-Bundesstaat Utah aufgebrochen. Zum ersten Mal ging’s für mich nach Nordamerika. Nach Salt Lake City, auf’s schnellste Eis der Welt! Gemeinsam mit meinen Kollegen aus der Sprint-Nationalmannschaft stand dort ein zweiwöchiges Trainingslager auf dem Programm. Mit Nico Ihle, Joel Dufter und Jeremias Marx habe ich ein Haus in Salt Lake City bezogen, das für vier Wochen unser Zuhause war.

Die Voraussetzungen waren klar: Nico Ihle und Joel Dufter waren bei der WM der Sprinter gesetzt. Um den dritten Startplatz gab’s ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Jeremias Marx und mir, bei dem ich eigentlich die Nase ganz leicht vorn hatte. Ich hatte extra auf die Europameisterschaften in dieser Saison verzichtet, um mich voll und ganz auf die WM zu konzentrieren.

Trainingslager in Utah

Das Trainingslager lief zunächst prima. Wir haben uns selbst verpflegt, gemeinsam eingekauft, gekocht und gegessen; und uns dabei richtig gut verstanden. Jeden Tag ging es nach dem Frühstück in die Halle. Dort stand Eistraining auf dem Programm, genauso wie bei vielen anderen Nationen, die die Zeit in Salt Lake City ebenfalls für ein Trainingslager genutzt haben. Mit den besten Sprintern aus Russland, Kanada und Norwegen haben wir uns das Eis geteilt.

Mittags dann zurück in unser Apartmenthaus. Nach dem Essen stand dann eine Kraft- oder Ausdauereinheit auf dem Programm. Die Stimmung war echt gut. Konzentriert und doch locker.

Weltcup in Calgary

Nach zwei Wochen Training sind wir am vergangenen Wochenende nach Calgary zum letzten Weltcup vor der WM geflogen. Und das ging richtig gut los für mich. Obwohl ich am Kurvenausgang leichte Probleme hatte konnte ich über die 500m eine neue persönliche Bestzeit laufen: 35,01sec. Natürlich hätte ich gern gehabt, dass da eine 34 vor dem Komma steht. Aber ich hab gemerkt: Die Form stimmt! Und das war wichtig. Aber auch die Form meines Konkurrenten um den dritten Startplatz bei der WM war gut. Jeremias ist ebenfalls eine neue persönliche Bestzeit gelaufen: 34,87sec.

Alles kam jetzt auf die 1000m am Samstag an. Und die gingen richtig gut los. Nach 200m lag ich auf Platz 1. Und dann ist es passiert. In der dritten Kurve hat es mir die Beine weggezogen und ich bin gestürzt. Dabei hatte ich mir so viel vorgenommen. Ich wollte meine Bestzeit aus Nagano vom vergangenen Dezember angreifen und verbessern (1:10,09). Ich war mir sicher, dass ich das schaffen kann. Und jetzt das. Sturz. Kein Ergebnis.

Aus der Traum?

Aus der Traum von der Einzelstrecken-WM? Noch nicht ganz. Unsere Trainer hatten entschieden, dass wir nach unserer Rückkehr nach Salt Lake City den letzten freien Platz im Training hätten auslaufen sollen.

Neue Hoffnung also für mich. Aber irgendwie blieb mir das Pech treu. Erst wurde unser Flug gecancelt, was uns sechs Stunden am Flughafen und eine weitere Nacht in Calgary eingebracht hat. Dann holte ich mir unterwegs auch noch eine leichte Erkältung, was mich weiter ausgebremst hat. Leider konnte ich mich nicht so schnell davon erholen wie erhofft, wodurch ich nach meinen Leistungen im Training das WM-Wochenende „nur“ als Ersatzmann verfolgen sollte.

Alles vorbei?

Am Tag vor der WM war dann plötzlich wieder alles ganz anders. Durch eine Krankheit von Joel Dufter habe ich die Chance bekommen doch über die 500m und die 1000m an den Start zu gehen. Yes! Für Joel hat mir das natürlich leid getan. Aber mir war klar, dass ich jetzt die Chance hatte von der ich so lange geträumt habe. Das hat mich natürlich riesig gefreut und ich wollte gerne zeigen was ich drauf habe auch wenn ich noch angeschlagen war von der Krankheit.

 

Meine erste Weltmeisterschaft

Am Freitag also mein erstes WM-Rennen über die 500 m. Ich war hochmotiviert und dann das! Aufgrund eines Fehlers in der zweiten Kurve habe ich mich schon wieder in die Bande gelegt. Das war sehr frustrierend und ich habe echt an mir gezweifelt.

Ein Traum wird wahr

Trotzdem habe ich mich für den zweiten Tag wieder motiviert und wollte natürlich bei meiner ersten WM auch einen Lauf ins Ziel bringen. Allein die Teilnahme war für mich schon ein Riesenerfolg. Und es sollte noch besser kommen. Über die 1000m habe ich dann meine bisherige Bestzeit um sage und schreibe 1,3 Sekunden verbessert: 1:08,8! Das ist die fünft-beste Zeit die je ein Deutscher über diese Strecke gelaufen ist! In der Endabrechnung landete ich auf Rang 23 bei meiner ersten Weltmeisterschaft.

Das war immer noch kein guter Lauf, was mir zeigt, dass ich noch viel mehr kann. Ich war bis auf die Krankheit auf den Punkt fit und das stimmt mich positiv für die Zukunft. Ich weiß, wo meine Reserven liegen und werde weiter hart an mir arbeiten, dass ich nächstes Jahr mit einem noch besseren Ergebnissen nach der WM nach Hause fahren kann.


 

Auch die Sueddeutsche Zeitung hat in der vergangenen Woche über Hendrik berichtet:

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